EIN MYTHOS STIRBT AUS

 

"Meine sexuellen Wünsche, nicht alle, aber die meisten, fühlen sich falsch an. Ich verdränge sie. Ich bin überzeugt, dass es eh keinen Mann gibt der bereit ist auf mich einzugehen. Meine Wünsche fühlen sich falsch an. Das macht mich traurig.

 

Ich verdränge und verneine sie, bis ich wütend, genervt, ungeduldig, kontrollierend und dominant werde. Ich fordere die Erfüllung meiner Wünsche ein. Dann fühle ich mich schuldig, rechthaberisch und ziehe mich zurück.

 

Es tut weh. Ich mag nicht mehr. Ich stehe mir selber im Weg."

 

 

Das muss nicht so bleiben.

 

Die Fragen: "Was bedeutet sexuelle Erfüllung für dich? Wie willst du Liebe, Sex und Intimität leben?" machen uns klar, dass wir eine Wahl haben. Die Antworten auf diese Fragen sind von Mensch zu Mensch verschieden.

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MYTHOS

Stell dir folgende Szene vor:

'Sie, das Objekt der Begierde "hat den Sex". Sie rennt davon. Er, der Jagende, "will den Sex". Er rennt ihr nach, will sie fangen. Es ist sein Job, den Sex von ihr zu bekommen und darum zu kämpfen.'

Hast du die Szene im Kopf? Hier noch einmal kurz gefasst: Frauen haben "DEN SEX. Der Mann will "DEN SEX". Es ist die Aufgabe des Mannes, "DEN SEX" von ihr zu bekommen.
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Das ist ein weit verbreiteter Mythos über Sex, der ausstirbt, wenn wir uns damit beschäftigen wie wir Liebe, Sex und Intimität für uns stimmig leben wollen.

Was ist also nicht mehr gültig am Mythos: 'Verfolge/jage sie bis sie dir den Sex gibt, den du willst'?


Er kreiert ein Frauenbild, dass sie

- nur die empfänglichen Partner sind, feminin, nachgiebig, ausgeliefert, devot
- ohne sexuelle Bedürfnisse und Wünsche
- ohne sexuelle Kraft und ohne sexuellen Hunger
- ohne Lust zu jagen
- einfach nur Pförtnerinnen am Eingang ihres sexuellen Innenlebens
- sie haben nur die Aufgabe, Erlaubnis zu erteilen oder eben nicht, also nur die Aufgabe ein JA oder NEIN auszusprechen, ob Sex stattfindet oder nicht
- von sich aus keine Initiative und kein wirkliches Interesse an Sex haben

Dann ist sie eine gute Frau!

Wenn Frauen diese Seite der Geschichte verinnerlicht haben, ist es wirklich schwer zu wissen, was der Körper, die Seele und das Herz wirklich wollen. Anstatt mit der eigene Sexualität und mit dem eigenen Verlangen in Kontakt zu sein, konzentrieren sie sich darauf, wie Sie nach außen wirken und ob sie für andere attraktiv genug sind.

Eine Folge davon ist, dass Frauen nicht wirklich sagen können was SIE wollen. Sie können nur auf das reagieren, was andere wollen und ihr anbieten.

Was bedeutet das nun für Männer oder einfach für den aktiveren, maskulinen, dominanten Partner, der sexuell die Oberhand hat?

Er muss

- IMMER die Führung und Initiative ergreifen
- erahnen was die andere Person wohl gerne hat, was sie glücklich macht oder was sie wirklich will
- allzeit bereit und eine sexuelle Maschine sein 
- wissen was er will
- beim Sex immer oder die meiste Zeit führen

Und wenn ein Mann nicht führt und nicht weiss was er will, stimmt etwas nicht mit ihm.

Wenn wir diese Geschichten verinnerlichen, wird es schwierig klar zu sein, Grenzen setzen zu können, dem Abenteuer und dem Erforschen unserer Sexualität Raum zu geben. Es wird schwierig die eigenen Wünsche zu fühlen, wert zu schätzen und anzubringen.

Stattdessen sind wir damit beschäftigt zu denken, was wohl die andere Person will oder noch schlimmer, wir denken darüber nach welche Wünsche legitim und berechtigt "sein könnten" und wir bleiben in einer Performance stecken, die nicht wirklich erfüllend ist.

Wenn wir diese Geschichten verinnerlichen

- stellen wir viele und hohe Erwartungen an unseren Partner
- glauben wir, dass wir nur eine gute Frau sind, wenn wir nur als Pförtnerinnen existieren, die ja oder nein sagt, ob Sex stattfindet oder nicht
- glauben wir, dass wir keinen eigenen Hunger besitzen
- Gestalten und leben wir unsere Sexualität nicht aktiv, sondern abwartend
- glauben wir, dass wenn wir unseren Hunger anerkennen und leben, irgendwie verdorben, schmutzig oder "schlampig" sind
- leben wir in der Illusion, dass der Partner unseren Körper besser kennen muss, als wir selbst
- dass der Partner einfach WISSEN MUSS was wir wollen
- dass es nicht ok ist SEX ZU WOLLEN
- dass es nicht ok ist KEINEN SEX ZU WOLLEN
u.s.w.

Diese Geschichten schränken unser Sexleben ein. Sie geben vor, wer was tun darf, wer sich hingeben und wer dominieren muss. Sie geben vor, wer über den Körper und die Lust des anderen frei verfügen darf und wer sich zur Verfügung stellen muss.


Dominanz und Unterwerfung kann ein heisses Sexspiel sein. Es darf aber nicht als allgemein gültiger Mythos in uns weiterleben. Er trennt uns von unserem freien sexuelles Ausdruck ab.

Lustvoll zu sein und Sex zu WOLLEN wird immer noch verurteilt und beschämt.

Lasst uns es uns besser tun.

Finde deinen freien Ausdruck, deine eigenen Wahrheit und lebe sie, mit Respekt und Achtung anderen Menschen gegenüber.

Frage dich:

- Was bedeutet für dich sexuelle Erfüllung?
- Wie willst du Liebe leben?
- Was hält dich davon ab, es so zu leben wie du es möchtest?
- Bist du bereit zu heilen und loszulassen, was nicht mehr deiner Wahrheit entspricht?
- Bist du bereit Erfüllung zu empfangen?
- Bist du bereit Sex und Liebe für dich stimmig zu leben?
- Bist du bereit deine Wünsche, deinen Körper und deine Herz kennen zu lernen, ernst zu nehmen, wert zu schätzen, zu lieben und danach zu handeln und leben?
- Wenn nicht: willst du lieber leiden und es zulassen, dass dieser Mythos, andere Menschen, die Gesellschaft über dein Erfüllt sein bestimmen?
- Wenn ja: Bist du bereit innere Arbeit zu tun, um Klarheit zu bekommen und innerlich frei zu sein?

Nimm mit mir Kontakt auf, wenn du dich begleiten lassen willst: https://www.laurabalmer.com/über-mich/dein-privates-beratungsgespräch/


P.S. Inspiriert durch Marcia Baczynski, The Feld Guide to Consent

 

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