My Story: Was mich meine Scham während eines Fotoshootings lehrte

 

Kennst du das Gefühl etwas zu tun oder irgendwo zu sein und ein ganzes Stück von dir fehlt? Du bist und machst und wenn du dich fragst "Bin ich voll dabei? Geniesse ich es? Zeige ich mich, wie ich wirklich bin? Wie viel bin ich 'out'?" würden die Amerikaner sagen, merkst du, dass ein Teil deiner Persönlichkeit zurückgezogen und unsichtbar ist. Vielleicht denkst du, dass ich ein extrovertierter Mensch bin, weil ich auf Social Media so sichtbar bin. Dem ist aber nicht so. Meine Motivation ist Service. Ich möchte Frauen eine Brücke in ihre Kraft bieten, die ähnlich sind wie ich.

 

New York, Manhatten 2017: Mittendrin in einem riesigen Studio mit anderen 100 Mitschülern, hatten wir die Chance ein professionelles Fotoshooting zu machen, mit allem Drum und Dran: Schminken und Haarstyling. Natürlich wollte ich mir diese Chance nicht entgehen lassen, man erlebt ja sowas nicht alle Tage. Ich habe mich angemeldet und bin mit schwarzen hohen Schuhen ins Ausbildungswochenende (so richtig sexy;)) eingetaucht. Dann hiess es: "Laura, it's your turn" und ich wurde in ein kleines Zimmer geführt mit ganz viel Schminke. Ich wurde gestylt und geschminkt. Ich hätte nie gedacht, dass in wenigen Minuten sich ein uraltes Gefühl zeigen würde, welches mir bis anhin nur wage bewusst war.

 

Der Fotograf, ein kleiner und zierlicher Mann aus Deutschland, er hat die Coaching Ausbildung auch gemacht und hat durch Orgasmic Meditation seine Berufung als Fotograf gefunden. Er hat die Gabe, das Wesen eines Menschen in Bildern zu erfassen. Warmes angenehmes Licht schien auf mich. Das Shooting begann und die Aufforderung mich zu zeigen, liess mich "nullkommanichts" erstarren! Wie im Sturm umschlugen sich dichte Ketten der Scham um meinen ganzen Körper, physisch spürbar. Ich war fassungslos. "Wieso das den plötzlich", dachte ich. Und das Selbstgespräch ging los: "Wieso diese Selbstsabotage wieder? Jetzt könnte ich es mal geniessen mich so zu zeigen... Warum bin ich so?....".

 

Je mehr der Fotograf mich erkannte, er sprach von meiner wilden Zigeunerin, desto mehr erstarrte ich. Ich war nicht fähig mich zu befreien. Ich spürte was er von mir wollte. Ich konnte es ihm nicht geben. Ich spürte auch was ich wollte. Ich wollte mich bewegen und tanzen, mit ihm in Verbindung sein, konnte in diesem Moment aber nicht die Führung übernehmen. Er war mit der ersten Serie nicht zufrieden und ich zog meine High Heels aus und wir versuchten es noch einmal. Tränen suchten ihren Weg über meine Backen. Wir umarmten uns, der Fotograf und ich.  Es war gut so, wie es war. Den Rest des Tages verbrachte ich in eine Wolke aus Scham. Ich widerstand dem Versuch diese Wolke wegmachen zu wollen. Ich war umzingelt von Menschen, die genau wussten, dass ich jetzt mit dieser Schamwolke alleine sein musste und genau das war es, was ich brauchte und mich so tief berührte.  Ich kann es kaum in Worte fassen.

 

Einfach mit dieser Schamwolke sein. Nicht anhaften. Nicht analysieren. Nichts. Nur anerkennen und ein altes Gefühl zu Ende fühlen. Ich spürte, wie mein Herz raste, ich hatte ganz heisse Backen und Ohren, meine Tränen hatten ihren eigenen Rhythmus gefunden und die Scham gleitete langsam und zäh an meinem Körper entlang runter. "I love your Orgasm", sagte eine Freundin zu mir und schaute mir tief in die Augen, als ich in der Schlage stand für auf die Toilette. "Wie, sie liebt meine Orgasm? Wo ist da mein Orgasm?", fragte ich mich und ich verstand auf einer tieferen Ebene, was Orgasm in meiner und der Welt von Orgasmic Meditation bedeutet: In Kontakt zu sein mit dem was ist und mich davon berühren lassen.

 

Verurteile dich nicht

 

Das schlimmste an dieser Situation war, dass ich mich verurteilt. Ich verurteilte in diesem Moment mein ganzes Sein. Die Scham wurde übergross und ich erzählte mir, wie ich anders sein müsste. Das machte alles nur noch schlimmer. Ich hatte den Mut in diesem Moment mich sehr verletzlich zu zeigen und schlussendlich weiss ich, dass es nicht primär um das Fotoshooting, sondern um die Heilung meiner Scham ging. Heute würde ich ihm sagen, dass ich mich bewegen und tanzen muss, dass ich nicht starr vor einer Kamera stehen kann, dass ich Verbindung brauche, um mich zeigen zu können... nein, ich widerstehe dem Drang mich deswegen zu verurteilen, in dem Moment konnte ich nicht anders.

 

Trenne dein Verhalten von deiner Person

 

Solche Erlebnisse sind nicht steuerbar. Sie kommen und nehmen dich mit der ganzen Wucht. Und sie sind nur ein Teil von dir. Es sind Erinnerungen, es sind Verhaltensweisen, die du gelernt hast aus Schutz oder zum Überleben. Du kannst dein Verhalten kritisch analysieren, dich damit auseinandersetzen, dessen Ursprung ausfindig machen und Heilung erfahren. Verurteile bitte nicht dich als Mensch. 

 

Das Wesentlich geschieht ohne unser zutun

 

Als ich in dieser Schamwolke sass, lief ein Prozess ab, den ich nicht im Griff hatte. Ich habe ihn zugelassen. Mehr nicht. Ich griff nicht ein. Ich widerstand dem Drang mich zurückzuziehen, Hilfe und Trost zu suchen oder gar das Shooting als misslungen zu verurteilen. Und ich durfte ein altes eingefrorenes Gefühl durchfühlen und es floss von mir ab. Orgasmic Meditation macht das selbe mit uns. Es berührt uns dort, wo die nächste Welle ist, egal wie sie aussieht. Keine Show, kein "Andere zufriedenstellen", kein "so tun als ob" und schon gar nicht Rückzug oder Verurteilung.

 

Innenschau

Halte inne und besinne dich:

  • Kennst du solch überwältigende Momente in deinem Leben? Nimm max. 3 Situationen und beschreibe sie in Stichworten 
  • Wie verurteilst du dich und was denkst du in solchen Momenten über dich? Schreibe einfach darauf los.
  • Welches sind deine Vermeidungs- oder Schutzstrategien? Hier findest du dazu ein hilfreiches Arbeitsblatt.
  • Liebe dich. Liebe dich. Liebe dich. Schreibe dich ein und lass ein starkes und authentisches Netz von sensitiven und tief liebenden Frauen grösser und grösser werden. 

Schön bist du da

Laura

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Kommentare: 3
  • #1

    Rahel (Mittwoch, 26 April 2017 10:38)

    Danke von <3 -en für diesen wundervollen Text, Laura.
    Ich finde mich darin in fast jedem Buchstaben - und ich werde mich daran erinnern, wenn ich wieder `mal schockgefroren vor Scham irgendwo im Leben stehe...

  • #2

    Laura Balmer (Mittwoch, 26 April 2017 17:49)

    Liebe Rahel
    Ich danke dir für deine Zeilen. Schön von dir zu lesen.
    Ganz herzliche Grüsse aus dem Berner Oberland
    Laura

  • #3

    Anett (Mittwoch, 26 April 2017 19:35)

    Liebe Laura

    Wow ein so wundervoller und berührender Artikel. Herzlichen Dank fürs teilen und dich zeigen.
    Ich liebe es und werde mich daran erinnern, dass es okay ist sich so zu zeigen, wenn die Scham wieder einmal anklopft.
    Alles Liebe Anett